Home-Office ist in den meisten Schweizer KMU eingeführt, aber selten sauber geregelt. Das führt zu Unklarheiten über Ausrüstung, Kosten, Arbeitszeiten und Verantwortung. Ein guter Rahmen schafft Klarheit für beide Seiten.
Vertragliche Grundlage
Home-Office ist keine automatische Möglichkeit — sie muss ausdrücklich vereinbart werden. Zwei Varianten:
Variante 1 — Anhang zum Arbeitsvertrag
Verbindliche Regelung, die jeder Mitarbeiter:in unterschreibt. Klar, rechtssicher, aber wenig flexibel.
Variante 2 — Reglement
Ein einheitliches Dokument, das alle Mitarbeitenden erhalten und bestätigen. Flexibler anpassbar.
Mindestinhalte
- Anzahl Tage pro Woche (oder Prozent des Pensums)
- Orte (nur Hauptwohnsitz? Auch Ferienwohnung? Café?)
- Anwesenheits-Kerntage im Büro
- Erreichbarkeit (Zeitfenster, Reaktionszeit)
- Ausrüstung (wer stellt was?)
- Spesen und Kostenbeteiligung
- Versicherung
- Datenschutz und Informationssicherheit
Ausrüstung
Minimal-Ausstattung vom Arbeitgeber:
- Laptop inkl. Maus, Tastatur
- Bildschirm (mindestens 24 Zoll)
- VPN-Zugang und Sicherheitssoftware
Optional:
- Bürostuhl (ergonomisch)
- Headset
- Drucker (selten nötig)
Faustregel: Wer regelmässig im Home-Office arbeitet, braucht auch dort einen vernünftigen Arbeitsplatz. Die Zeit des Laptop-auf-dem-Küchentisch ist vorbei.
Spesenersatz: das oft übersehene Thema
Das Bundesgericht hat 2019 (BGE 144 II 359) festgehalten: Wer Home-Office anordnet, muss eine angemessene Entschädigung bezahlen. Richtwert: CHF 100–150 pro Monat bei regelmässiger Tätigkeit zuhause.
Das gilt nur, wenn der Arbeitgeber keinen geeigneten Arbeitsplatz im Büro bereitstellt. Wer freiwillig zuhause arbeitet (und im Büro einen Platz hätte), hat keinen zwingenden Anspruch.
Arbeitssicherheit
Auch zu Hause gilt das Arbeitsgesetz. Der Arbeitgeber ist mitverantwortlich für:
- Ergonomischer Arbeitsplatz
- Beleuchtung
- Elektrische Sicherheit
- Pausenregelung
Praktisch heisst das: Mindestens einmal pro Jahr eine Selbstdeklaration des Arbeitsplatzes einholen. Bei Bedarf eine virtuelle Begehung anbieten.
Versicherung
Unfallversicherung: gilt auch im Home-Office — aber nur für Unfälle während der tatsächlichen Arbeitszeit. Der Sturz um 11 Uhr über den Wäschekorb: Privatunfall.
Hausratversicherung: Betriebseinrichtungen (Firmen-Laptop) sind in der privaten Hausrat nicht gedeckt. Prüfen Sie Ihre Betriebshaftpflicht-Versicherung.
Datenschutz
Mitarbeitende im Home-Office behandeln Personalakten, Kundendaten, Verträge. Minimum-Standards:
- Bildschirmsperre nach 10 Minuten
- Keine Zoom-Calls mit Personaldaten in Hörweite Dritter
- Gedruckte Dokumente sicher aufbewahren
- VPN zwingend
Controlling ohne Misstrauen
Wer Mitarbeitende im Home-Office überwachen muss, hat das falsche Team oder die falsche Kultur. Vertrauen ist die Basis. Ergebnis-Orientierung statt Präsenz.
Aber: Klarer Auftrag und klare Deadlines sind nicht Misstrauen — sie sind Professionalität.
Mit HRio erfassen Sie Home-Office-Prozente und Erstattungen pro Mitarbeiter:in sauber — und haben alle Vereinbarungen dokumentiert an einem Ort.
HRio kostenlos testen
Bis 5 Mitarbeitende für immer gratis.