Einmal im Jahr sitzen sich zwei Menschen gegenüber und sprechen über Geld. In vielen Schweizer KMU läuft das so: Die Mitarbeiterin fragt, der Chef antwortet spontan. Beide Seiten verlassen den Raum mit einem schlechten Gefühl.
Das muss nicht so sein.
Was Arbeitgeber vorbereiten sollten
1. Gesamtbild der Gehaltsstruktur
Wo steht die Person im Vergleich zum Team? Zur Branche? Sie brauchen eine Systematik — auch im kleinen KMU. Ohne geht jede Diskussion in die Subjektivität.
2. Leistungsverlauf dokumentiert
Welche Projekte wurden erfolgreich abgeschlossen? Wo hat die Person Verantwortung übernommen? Wo gab es Schwächen? Ohne dokumentierte Basis wird das Gespräch zum Meinungsaustausch.
3. Das finanzielle Gesamtbudget
Wie viel Spielraum haben Sie insgesamt? Wie verteilen Sie gerecht? Ein Lohngespräch ohne vorher definiertes Budget ist ein Fehler.
4. Alternative Benefits
Geld ist eine Währung, aber nicht die einzige. Weiterbildung, Ferientage, flexible Arbeitszeit, 4-Tage-Woche — haben Sie Varianten parat.
Was Arbeitnehmer vorbereiten sollten
1. Marktvergleich
Was verdienen andere in vergleichbarer Position? Nutzen Sie Quellen wie Lohnrechner des SECO, Branchenverbände, Swisssalary.
2. Eigene Erfolgsliste
Was haben Sie konkret erreicht? Nicht "ich war fleissig" — sondern "ich habe Projekt X um CHF 50'000 unter Budget abgeschlossen".
3. Realistische Forderung
In der Schweiz sind 3–5 Prozent Erhöhung bei guter Leistung realistisch. 10 Prozent nur bei deutlich erweiterter Verantwortung.
4. Plan B
Was ist Ihr Mindestziel? Was ist Wunsch? Was passiert, wenn das Gegenüber Nein sagt?
Ablauf
1. Einstieg — kurze Standortbestimmung, keine Small Talk-Ewigkeit.
2. Leistung — Rückblick aus beiden Perspektiven.
3. Entwicklung — wo will die Person hin?
4. Zahlen — jetzt erst geht es um den konkreten Betrag.
5. Einigung oder Vertagung — beides ist ok.
Typische Fehler
Arbeitgeber-Seite:
- Spontan-Antwort ohne Vorbereitung
- "Das müssen wir mit dem VR besprechen" — nur wenn es wirklich so ist
- Gerechtigkeit durch Gleichbehandlung — ungleiche Leistung verdient ungleiche Vergütung
Arbeitnehmer-Seite:
- Drohung mit Kündigung als Hebel
- Persönliche Lebenssituation ("ich brauche das Geld") als Argument
- Vergleich mit Kollegen namentlich
Nach dem Gespräch
Egal wie es ausgeht: schriftlich festhalten, was vereinbart wurde. Wann ist die nächste Besprechung? Was passiert bis dahin?
Lohn ist nicht alles — aber Lohn ist auch nicht nichts. Ein fair geführtes Lohngespräch ist eines der stärksten Bindungsinstrumente, die Sie haben.
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